Wie eine Instabilität der oberen Halswirbelsäule zu chronischem Stress führen kann



Die Durchblutung des Gehirns ist primär von der Halsschlagader (Arteria carotis) abhängig. Störungen der Durchblutung resultieren in einem Sauerstoffverlust im vorderen und mittleren Bereich des Gehirns. Der Großteil des Großhirns wird von der Halsschlagader versorgt. Die Wirbelarterie übernimmt den restlichen Teil der Blutversorgung des Gehirns. Sie zieht durch Löcher in den Seitenfortsätzen der Halswirbelsäule und durchblutet die Hirnstammregion und das Kleinhirn. Dysfunktionen und Fehlstellungen in der Halswirbelsäule können vor allem zu einer Kompression der Wirbelarterie führen, was nicht nur die Blut- sondern auch die Sauerstoffversorgung des Hirnstamms reduziert. Häufige Folgen sind eine Fehlregulation des autonomen Nervensystems, was sich in erster Linie als eine erhöhte Stressempfindung bemerkbar macht.



Weitere Symptome für eine Fehlstellung der Halswirbelsäule sind Schmerzen oder Schwindelgefühl bei der Rotation des Kopfes nach rechts oder links. Durch die Rotation kommt es zu einer Verstärkung der Kompression, was die Symptomatik verstärkt. Durch therapeutische Behandlungen und Training lässt sich eine funktionelle Fehlstellung korrigieren, um die Durchblutung des Gehirns zu verbessern und die Begleitsymptome zu reduzieren.

Häufig zeigt die obere Halswirbelsäule starke Mobilitätsdefizite, die häufig von einer erhöhten Spannung in der subokzipitalen Muskulatur begleitet ist. Die subokzipitale Muskulatur sorgt in erster Linie für eine Stabilisierung und Kontrolle der Kopfstellung. Überdies haben die Subokzipitalmuskeln eine hohe Propriozeptorendichte zur Gleichgewichtskontrolle. Eine mangelhaft ausgeprägte Muskulatur oder erhöhte Verspannung kann zu einer sensorischen Fehlleistung führen, was durch visuelle Probleme oder durch Gleichgewichtsstörungen begleitet wird.

Durch Mobility Übungen und gezieltem Krafttraining lässt sich einer fehlerhaften Ansteuerung der Muskeln und einer Fehlhaltung der oberen Halswirbelsäule entgegenwirken. Das Ziel sollte hierbei bestehen die Rotation und die Seitneigung der Halswirbelsäule wieder symmetrisch wiederherzustellen. Bei vielen Personen mit Nackenbeschwerden ergeben sich sehr häufig asymmetrische Bewegungen, die von Nackenverspannungen und chronischen Schmerzen begleitet werden. Auch bei starken Verspannungen sollte ein gezieltes Krafttraining durchgeführt werden. Dabei ist der Fokus weniger auf ein unspezifisches Nackentraining, sondern eher auf ein gezieltes Training der subokzipitalen Muskeln zu legen. Neben der Mobilisation und dem Krafttraining haben sich auch propriozeptive Übungen bei Fehlstellungen als sinnvoll erwiesen.

Bleibt ein Training oder Behandlung der Halswirbelsäule aus, kann die langfristig reduzierte Durchblutung durch die Mangelversorgung des Hirnstamms zu Stress führen. Durch die bereits erwähnte Fehlregulation des autonomen Nervensystems führt dies tendenziell zu einer Überaktivität des Sympathikus, was als erhöhter Blutdruck, Ruhepuls oder schlechte Herzratenvariabilität gemessen werden kann. Langfristig steigt auch der Cortisolspiegel, da eine dauerhafte Erhöhung des Sympathikus auch zu einer Überaktvität des Hypotahalamus führt, der das Signal zur Cortisolproduktion übermittelt. Am Ende dieser Kette befindet sich die Nebennierenrinde, die zu viel Cortisol produziert, was langfristig zu einer reduzierten Sensibilität der Cortisolrezeptoren führt. Das Cortisol arbeitet nicht mehr wie vorgesehen, was zu einer noch höheren Ausschüttung durch die Nebennierenrinde führt. Daraus entwickelt sich ein Kreislauf einer chronischen Stresserkrankung.

Die Halswirbelsäule ist für die Funktion des Nervensystems der wahrscheinlich wichtigste Bereich. Daher sollte dieser das Fundament der Behandlung sein, wenn es um Stress oder emotionale Fehlregulation geht.


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