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Wieso das Gehirn Fleisch benötigt - Die Carnivore Diät als Schutz vor psychischen Erkrankungen

In der Psychologie und Psychiatrie werden viele psychische Erkrankungen mittlerweile als Zivilisationskrankheit angesehen. Dabei kann die Ernährung dazu beitragen die Inzidenz dieser Erkrankungen entweder zu reduzieren oder zu verstärken. Die #Carnivore Diät scheint für viele Betroffene eine sinnvolle Lösung zur Heilung oder Linderung ihrer Symptome zu sein.

Das Gehirn besteht überwiegend aus Fett, Cholesterin, Protein, ein paar Vitaminen und Mineralien. Die Vitamine und Mineralien dienen primär neurochemischen Abläufen, z.B. der Produktion der Neurotransmitter, die im Körper als biochemische Botenstoffe tätig sind.

Unter anderem benötigen wir Zink für die Herstellung des Botenstoffes Serotonin, Vitamin B6 und Eisen für alle #Neurotransmitter, Vitamin D3 für die Kalziumregulation, B12 zur Bildung der Myelinscheide, Magnesium für die Glutamatinhibition und Omega 3 als Baustein für das Gehirn und der neuronalen Signalübertragung nicht nur im Gehirn, sondern überall im Körper wo elektrische Signale übertragen werden, folglich auch im Peripheren Nervensystem.

Fleisch besitzt alle #Nährstoffe die wir benötigen. Pflanzliche Nahrungsmittel besitzen nicht immer alle Nährstoffe oder machen die Aufnahme durch unterschiedlich hohe Mengen an Anti-Nährstoffen schwieriger. Zu den Anti-Nährstoffen, die in pflanzlichen Nahrungsmitteln vorkommen gehören unter anderem:

Protease-Inhibitoren:

Diese führen zu einer reduzierten Aufnahme von Protein im Körper, da es durch eine Restriktion der Proteinspaltung zu einer schlechteren Aufnahme der Aminosäuren kommt. Dies ist einer der Gründe, wieso vegane Kraftsportler mehr Protein benötigen als Carnivore oder Omnivore. Protease-Inhibitoren hemmen Verdauungsenzyme wie Trypsin und Chymotrypsin. Protease-Inhibitoren kommen vor allem in Soja und in Getreide vor.

Oxalsäure:

Oxalsäure ist in Mangold, Spinat, Petersilie, Kakao, Amaranth und roten Rüben zu finden. Oxalsäure erschwert die Aufnahme von Eisen.

Tannine:

Tannine befinden sich hauptsächlich im schwarzen und grünen Tee (in Form von Catechin), sowie im Hopfen und führt ebenfalls zu einer reduzierten Aufnahme von Eisen. Tannine sind pflanzliche Gerbstoffe, die von Pflanzen als Abwehrstoffe eingesetzt werden und die Verdauung negativ beeinflussen, in dem sie bestimmte Proteine deaktivieren. Pflanzen nutzen diese Gerbstoffe als Verteidigungsstrategie gegenüber Herbivoren.

Phytate:

Phytate sind in Hülsenfrüchten, Getreide, vor allem aber in Soja, Weizen, Gerste, Roggen und Erdnüssen zu finden und reduzieren die Aufnahme von Eisen, Zink, Kalzium und Magnesium. Vor allem Erdnüsse sind zwar reich an Magnesium, dieses kann aber auf Grund der Phytate kaum aufgenommen werden und ist daher als Magnesiumquelle ungeeignet.

Neben teilweise hohen Mengen an Anti-Nährstoffen sind Pflanzen arm an Carnitin und #Cholin. Carnitin unterstützt die Gedächtnisfunktion und ist an der neuronalen Signalgebung beteiligt. Carnitin kann die Serotoninkonzentration im Gehirn erhöhen, was wichtig für die Entspannungsfähigkeit und die Produktion von Melatonin ist. Carnitin unterstützt im Gehirn u.a. die Verwendung von Glukose und Creatin, was essentiell für den Energiestoffwechsel im Gehirn ist. Cholin ist entscheidend für die Herstellung des Neurotransmitters Acetylcholin, der für die Gedächtnisleistung und Signalübertragung verantwortlich ist. Alzheimer führt z.B. zu einem Verlust der Signalübertragung von Synapse zu Synapse, was durch einen Mangel an Acetylcholin erklärt werden kann. Eine der wenigen pflanzlichen Quellen für Cholin ist die Sojabohne. Da Soja als endokriner Disruptor zu einem erhöhten Anstieg von Estrogen führen kann, wird ein Verzehr von Soja nicht empfohlen. Dies gilt zumindest, sofern das Phytoestrogen im #Soja sich an den ER-alpha (Estrogenrezeptoren) im Gewebe bindet und bei einer starken Aktivierung krebsfördernd wirkt. Eine Verbindung mit dem ER-beta wirkt krebshemmend. Dies ist der Grund, wieso Soja bei einigen Personen sinnvoll sein kann und bei anderen wiederum nicht. Da dies auch abhängig von dem Vorkommen der jeweiligen Rezeptoren im Gewebe ist, kann es auch sein, dass Soja in bestimmten Gewebe krebshemmend wirkt, während es in einem anderen Gewebe der selben Person krebsfördernd ist. Daher sollte entweder auf Soja verzichtet oder es nur in geringen Mengen aufgenommen und dann am besten mit tierischen Nahrungsmitteln kombiniert werden, um die mögliche negative Wirkung abzumildern.

In einem kürzlich geteilten Artikel habe ich bereits auf die Bedeutung von DHA für das Gehirn hingewiesen. Dabei betone ich gerne noch einmal, dass Pflanzen kein #DHA besitzen. Es muss aus ALA in DHA konvertiert werden. Doch auch hier ist die Umwandlungsrate sehr gering (0-10%). Bestimmte Algen können zwar DHA beinhalten, doch in wie weit sie dem tierischen DHA gleichkommen ist noch nicht klar. DHA ist vor allem wichtig für die Entwicklung des Gehirns im Kleinkindalter und entscheidend für viele Funktionen im Gehirn. Vegetarier besitzen im Durchschnitt 31% weniger DHA als Omnivore. Bei Veganern liegt der Wert im Durchschnitt bei einem um 59% reduzierten Anteil.

Bekanntes Beispiel für die Carnivore Diät ist sicherlich Mikhail Peterson, eine 27-jährige Kanadierin, die es durch eine fleischbasierte Diät geschafft hat ihre rheumatoide Arthritis in Remission zu bringen (Autoimmunerkrankung). Sie litt ebenfalls unter Depressionen und Angststörungen. Einer der bekanntesten Vertreter für die Carnivore Diät ist Dr. Shawn Baker, ein Chirurg aus Kalifornien mit eigenem Podcast (Human Performance Outliers Podcast), der Beispiele aus seiner Praxis nennt und in seinen Sendungen aufzeigt, welche Vorteile die Carnivore Diät unter bestimmten Voraussetzungen haben kann.

Bei psychischen Erkrankungen gibt es viele Wege wie eine Ernährungsumstellung helfen kann. Die geläufigsten Maßnahmen sind sicherlich zu Beginn eine Elliminationsdiät bei der größtenteils auf verarbeitete Lebensmittel verzichtet wird. Die ketogene Ernährung oder Zufuhr von diversen Nahrungsergänzungsmitteln sind ebenfalls zu Beginn sinnvolle Maßnahmen zur Bewältigung von psychischen Störungen. Daher müssen sicherlich nicht alle Menschen mit einer psychischen Erkrankung auf eine Carnivore Diät zurückgreifen, um Linderung oder Verbesserung ihrer Symptomatik zu erfahren. Doch für einige kann die Carnivore Diät eine notwendige Umstellung sein. Da es bisher keine klinischen Studien zu der Carnivoren Diät gibt, kann bisher nur auf persönliche und individuelle Erfahrungswerte zurückgegriffen werden. Dennoch dienen die hier angemerkten Fakten als Unterstützung zur Wahl der Carnivoren Diät als geeignete Ernährungsstrategie.

Da oben bereits die Vorteile einiger Nährstoffe für die Hirnfunktion beschrieben worden sind, zeige ich nun auf, welche Defizite durch eine rein pflanzliche Ernährung zu erwarten sind.

Pflanzliche Mikronährstoffe

Natürlich besitzen Obst und Gemüse häufig viele Nährstoffe, die grundsätzlich wichtig für unseren Bedarf sind. Doch bloß, weil sie vorhanden sind, heißt es nicht, dass sie für uns auch im vollem Umfang verfügbar sind. Leider besitzen pflanzliche Nährstoffe häufig eine geringe Bioverfügbarkeit, was die Aufnahme erschwert. Z.B. sind pflanzliche Quellen ungeeignet, um den Bedarf an Vitamin A zu decken. Sie besitzen tatsächlich überhaupt kein Vitamin A, sondern nur Carotinoide, aus denen wir Retinol (Vitamin A1) herstellen müssen, was der menschliche Körper erst dann verwerten kann. Hierbei beträgt die Bioverfügbarkeit der Carotinoide nur etwa 5-10% im Vergleich zu tierischen Produkten. In Bezug auf Lebensmittel wird häufig mit dem Retinoläquivalent gerechnet, also wie viel Retinol aus einem spezifischen Nahrungsmittel gewonnen werden kann. Tierische Produkte besitzen hier das höchste Retinoläquivalent mit Lebertran als einem der höchsten Werte.

Vitamin D3

Vitamin D3 können wir durch direkte Sonneneinstrahlung auf die nackte Haut oder durch tierische Lebensmittel beziehen. Pflanzliche Quellen besitzen die Form D2, die von unserem Körper in die aktive Form D3 umgewandelt werden muss. Vor allem ist D2 im Körper nicht lange verfügbar, besitzt also nur eine geringe Haltbarkeit und müsste demnach regelmäßig, am besten täglich, aufgenommen werden. Im Gegensatz dazu kann Vitamin D3 länger gespeichert werden. Daher sind besonders Veganer und Vegetarier auf natürliche Sonneneinstrahlung angewiesen, haben jedoch in unserem Breitengrad spätestens ab Oktober das Problem keine ausreichenden Mengen durch die Sonneneinstrahlung produzieren zu können. Vitamin D3 ist wichtig für die Entwicklung des Gehirns und der Regulation vom Kalzium im Körper.

Vitamin K2

Vitamin K2 wird häufig übersehen, wenn es um das Vitamin K geht. K1 ist in vielen Pflanzen zu finden, vor allem im grünem Gemüse, K2 weniger. K2 ist in vielen verschiedenen Formen verfügbar, unter anderem in der Form MK-4 und MK-7. Beide sind nur in tierischen Produkten zu finden und besitzen eine längere Halbwertzeit als K1. Daher sind viele Vitamin D3-Nahrungsergänzungsmittel mittlerweile häufig mit dem Vitamin K2 beigesetzt, um einer möglichen Kalzifikation durch eine hohe Zufuhr von Vitamin D3 entgegenzuwirken. Daher leiden auch hier wieder vor allem Veganer unter der Gefahr der Kalzifikation, da in ihrer Nahrung K2 fehlt. K1 hat diese schützende Eigenschaft vor der Kalzifikation leider nicht. Der Körper kann zwar eine geringe Menge K2 aus K1 gewinnen, jedoch viel weniger, als wir eigentlich benötigen. Die mangelnde Umwandlungsrate vieler Nährstoffe ist daher eines der größten Probleme, denen man sich klar machen muss, wenn man auf tierische Produkte verzichtet.

B12

Vegane Diäten beinhalten kein #B12. Daher muss auch dieses Vitamin supplementiert werden. B12 ist für das Gehirn notwendig, um die Myelinscheide zu produzieren. B12-Defizite können zu einer starken Dysbalance im Zentralnervensystem und sogar zu Schädigungen des ZNS führen und so die Entstehung von psychischen Erkrankungen begünstigen. Ersten Anzeichen für ein B12-Mangel sind Energieverlust und Konzentrationsstörungen.

Eisen

Viele pflanzliche Nahrungsmittel haben im Vergleich zu tierischen nur einen niedrigen Gehalt an Eisen. Dabei handelt es sich um eine Variante, die im Vergleich zum Härm-Eisen eine nur eine geringe Bioverfügbarkeit aufweist. Häm ist ein Bestandteil von Hämoglobin und daher auch relevant für die Bildung dessen. Pflanzliche Nahrung enthält einerseits Liganden, die die Aufnahme von Eisen erleichtern, andererseits auch Phosphate, Polyphenole und Phytate, die Verbindungen mit dem Eisen eingehen und es nur schwer löslich machen. Dies macht das Eisen für den Menschen wenig verfügbar. Z.B. besitzt das Eisen aus dem Spinat auf Grund der Oxalsäure nur eine geringe Bioverfügbarkeit. Phytathaltige Lebensmittel erschweren die Aufnahme, was zum Teil durch die gleichzeitige Zufuhr von Vitamin C ausgeglichen werden kann. Besser ist jedoch der Konsum von Fleisch oder zumindest die Kombination von Fleisch mit pflanzlichen Eisenquellen, um die mangelnde Bioverfügbarkeit auszugleichen. Das Gehirn benötigt Eisen, um Neurotransmitter wie Serotonin, Dopamin und Norepinephrin herstellen zu können. Außerdem wird es benötigt, um Energieleistung im Gehirn zu erzeugen. Außerdem ist Eisen an dem Gedächtnis bzw. der Funktion des Hippocampus beteiligt.

Pflanzliche Diäten erhöhen die Wahrscheinlichkeit von psychischen Erkrankungen. Die meisten Nährstoffe, die unser Gehirn benötigt sind leichter aus tierischen Nahrungsmitteln als aus pflanzlichen zu bekommen. Manche Nährstoffe können nur durch tierische Produkte aufgenommen werden und müssen ansonsten zielgerichtet supplementiert werden. Viele Inhaltsstoffe von Pflanzen (Anti-Nährstoffe) machen die Absorption von vielen Nährstoffen schwieriger, was ebenfalls zu Defiziten führen kann.

In Bezug auf die Gehirnfunktion und Schutz vor psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen ist die Carnivore Diät für viele Betroffene eine sinnvolle Ernährungsstrategie. Es gilt, wie bei jeder Ernährungsform, individuell zu prüfen, welche Ernährungsweise die richtige ist. Pauschale Aussagen sind immer kontraproduktiv. Vor allem, wenn es um die Ernährung geht, hat jeder eine eigene Meinung. Außerdem gibt es kaum ein Thema, welches emotionaler behandelt wird als die Ernährung.

Näheres dazu wie die Ernährung unser Gehirn beeinflusst und zum Thema individualisierte Ernährungsstrategien, erhältst du in unserem Ernährungs-Workshop, der im kommenden Dezember in unserer Akademie stattfindet.

Details zu der Fortbildung erhältst du hier:

Quellen:

https://humanperformanceoutliers.libsyn.com

https://mikhailapeterson.com/about-me/

http://meatheals.com/category/mood-mental-health/

https://vimeo.com/52606062

https://www.diagnosisdiet.com/micronutrients-mental-health/

https://ketodietapp.com/Blog/lchf/what-is-the-carnivore-diet-potential-benefits-and-concerns

https://www.healthline.com/nutrition/vitamin-k2#dental-health

https://chrismasterjohnphd.com/blog/2016/12/09/the-ultimate-vitamin-k2-resource/

Lachner et al 2012 J Neuropsychiatry Clin Neurosci 24(1):5-15

Miret S et al Annu. Rev. Nutr. 2003. 23:283–301

Gibson RS et aAm J Clin Nutr 2014;100(suppl):459S–68S

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